Zwei der größten Fährunternehmen Nordeuropas rücken zusammen: Der schwedische Konzern Stena übernimmt die norwegische Reederei Color Line. Das wurde am 26. Oktober 2026 bekannt. Was der Deal für Passagiere, Routen und Buchungen bedeutet, steht hier.
Was genau wurde vereinbart?
Stena AB kauft über seine Tochtergesellschaft Stena Rederi AB sämtliche Anteile an der Color Group AS – der Muttergesellschaft von Color Line. Verkäufer ist ONS Invest II AS, die Gesellschaft des norwegischen Industriellen Olav Nils Sunde und seiner Familie. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart, er wurde nicht genannt.
Der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigung. Er wird für Ende des ersten Quartals oder im Laufe des zweiten Quartals 2027 erwartet. Bis dahin arbeiten beide Unternehmen weiterhin getrennt voneinander.
Bleibt die Marke Color Line erhalten?
Ja. Nach den Plänen von Stena soll Color Line als eigenständiges Unternehmen und als eigene Marke weitergeführt werden – mit lokaler Geschäftsführung in Norwegen und unter norwegischer Flagge fahrenden Schiffen. Stena will seine industrielle Erfahrung einbringen, um Color Line weiterzuentwickeln, etwa bei Dekarbonisierung, Technologie und Digitalisierung, Kundenservice und Logistik.
Stena-Line-Chef Niclas Mårtensson nannte den Kauf einen „wahren Meilenstein in der Geschichte von Stena Line“. Color-Line-Chef Trond Kleivdal betonte, dass Stena die Stärken der Marke erhalten wolle und Color Line damit ein stärkeres Fundament für die weitere Entwicklung bekomme.
Wie groß sind die beiden Unternehmen?
Stena Line betreibt 40 Schiffe auf 19 Routen in Nordeuropa und im Mittelmeer. Color Line ist Norwegens größter Kreuzfahrt- und Fährbetreiber: fünf Schiffe auf vier internationalen Routen zwischen Norwegen, Dänemark, Deutschland und Schweden, die sieben Häfen anlaufen. Rund 2.200 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen.
Im Jahr 2025 machte Color Line mehr als 718 Millionen US-Dollar Umsatz und beförderte fast 3,6 Millionen Passagiere sowie rund 150.000 Frachteinheiten. Die Schwesterschiffe Color Magic und Color Fantasy gelten mit 75.000 Bruttoregistertonnen und 224 Metern Länge als die größten Luxusfähren der Welt – sie bieten Platz für jeweils 2.600 Passagiere und 550 Autos.
Was ändert sich für Passagiere?
Vorläufig nichts. Nach Angaben beider Unternehmen hat die Unterzeichnung keine Auswirkungen auf Abfahrten, Buchungen oder bestehende Kunden- und Lieferantenbeziehungen. Wer bereits eine Reise mit Color Line gebucht hat, muss nichts unternehmen. Auch nach dem Abschluss soll die Marke mit ihren Routen – darunter die Verbindungen zwischen Norwegen und Deutschland – bestehen bleiben.
Warum kauft Stena gerade jetzt?
Die beiden Reedereien ergänzen sich: Stena stärkt mit Color Line seine Position in Skandinavien, gerade auf den Routen zwischen Norwegen, Dänemark, Deutschland und Schweden. Gleichzeitig steht die Branche unter Kostendruck – unter anderem durch gestiegene EU-Emissionskosten. Ein größerer Eigentümer kann helfen, die Kosten für den Umbau hin zu einer nachhaltigeren Schifffahrt zu tragen.
Fazit
Die Übernahme ist einer der größten Deals in der europäischen Fährbranche der vergangenen Jahre. Für Passagiere ändert sich zunächst nichts – und die Marke Color Line soll ausdrücklich erhalten bleiben. Entscheidend wird sein, ob die Behörden den Deal wie geplant bis Mitte 2027 freigeben.
Häufige Fragen zur Color-Line-Übernahme
Wer kauft Color Line?
Der schwedische Konzern Stena AB, über seine Tochter Stena Rederi AB, vom bisherigen Eigentümer Olav Nils Sunde und seiner Familie.
Ändert sich etwas an meiner Buchung?
Nein. Abfahrten, Buchungen und Kundenbeziehungen bleiben nach Angaben der Unternehmen unverändert.
Wann ist die Übernahme abgeschlossen?
Voraussichtlich Ende des ersten Quartals oder im Laufe des zweiten Quartals 2027, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung.
Bleibt der Name Color Line?
Ja, Color Line soll als eigenständige Marke mit lokaler Führung in Norwegen weitergeführt werden.



